DAS LICHT IN DEN BERGEN

Ein Mann war in der Adventzeit abends mit seinem Auto unterwegs, als er plötzlich ein seltsames Leuchten weit hinten in den Bergen sah. Es war fast so groß und hell, als ob in der Nacht die Sonne aufgehen würde. Dieses Licht zog ihn magisch an und er fuhr Richtung Licht, mitten in die Berge rein.  Als er dem Licht schon nahe war, kam er in ein kleines Bergdorf, wo er die Menschen fragte, ob sie wüssten, was sich hinter den Bergen befindet. Er bekam immer dieselbe Antwort: „Berge natürlich“.  Der Mann wollte ihnen von dem Licht erzählen, doch die Menschen lachten ihn nur aus oder hörten erst gar nicht zu.

So ist er wieder weitergefahren in Richtung Licht, bis er auf einer einsamen, verschneiten Straße zum Stehen kam. Dort beschloss er, zu Fuß weiter zu gehen.  Nach einer Weile sah er in der Dunkelheit ein kleines Licht, auf dieses ging der Mann zu. Je näher er kam, desto mehr erkannte er, dass es aus einem kleinen, einfachen Bauernhaus schien. Als er an der Türe klopfte, öffnete ihm eine alte, freundliche Frau und lud ihn in die warme Stube ein. Dort sah er einen alten Bauern sitzen, dieser begrüßte ihn sogleich. Der Mann erfuhr, dass sie sich im Lichte einer geweihten Kerze für alles im vergangenen Jahr bedankten. Sie waren glücklich und zufrieden. Im flackernden Kerzenschein fiel sein Blick auf den Herrgottswinkel, wo links und rechts neben dem Kreuz, die Bilder von Maria und Jesus mit dem geöffneten Herzen hingen. Da er nur wenig vom christlichen Glauben hielt, wirkte es für ihn befremdend.

Die beiden Alten wollten wissen, was ihn zu so später Stunde auf ihren abgelegenen Hof führte. Und er begann ihnen von dem seltsamen Licht zu erzählen, das in ihm eine wohlige Wärme in der Brust ausgelöst hatte.  Er wollte eigentlich ganz wo anders hin, doch das Licht war stärker. Da ihn der Bauer von der gefährlichen Wanderung in die Berge nicht abbringen konnte, beschlossen sie, am nächsten Morgen zu dritt das Licht zu suchen.

Beim Frühstück erzählte er ihnen, dass er im Traum den Platz, an dem sich das Licht befand, gesehen hatte. Er beschrieb ihn sehr genau, sodass der Bauer den Ort erkannte.  Nachdem der Mann vom Bauern noch Winterstiefel und eine warme Jacke bekommen hatte, stapften sie mit einer kleinen Jause und warmem Tee im Rucksack und einem Bergstecken in der Hand bergwärts. Als der Schnee immer tiefer wurde, verteilte der Bauer Schneeschuhe wie sie vor 100 Jahren verwendet wurden. Er nannte sie Schneeteller. An dieser Stelle aßen und tranken sie auch gleich etwas.  Schön langsam stapfte der Bauer wieder voraus und er und die Bäuerin hinterher.  Einige Zeit später erblickten sie die Hochmahder, jenes Gelände, wo sich ganz in der Nähe der beschriebene Ort befinden sollte.  Als die Sonne schon beim Untergehen war, sagte der Alte: „Wenn wir nicht bald den Platz erreichen, müssen wir umdrehen, da ich nur eine Laterne mithabe.“

In dem Moment als die letzten Sonnenstrahlen verschwanden, hatte der Mann wieder dieses Leuchten gesehen und gleich darauf erblickten es auch die Bauersleute. Je näher sie kamen, desto heller wurde die Umgebung. Es lag nur noch ein letzter kleiner Bergrücken zwischen ihnen und dem Licht. Als sie am Bergrücken ankamen, sahen sie den beschriebenen Ort hell erleuchtet. Das Licht blendete sie sogar ein wenig. Mit jedem Schritt, den sie näherkamen, spürten sie die Wärme des Lichtes intensiver, ganz besonders aber in ihrem Herzen.  Seltsamerweise war die Quelle des Lichtes nicht zu sehen, es war nur ein sehr heller Fleck.  Der Bauer erzählte, dass an diesem Ort die Pflanzen schon immer besser wuchsen und bei den Alten galt er als was Besonderes. Alle drei spürten ein inniges Brennen im Herzen und ihnen fielen die Bilder von Jesus und Maria mit den brennenden Herzen ein, jene welche zuhause im Herrgottswinkel hängen. So etwas hatten sie noch nie erlebt. Je mehr in ihnen dieses Licht wuchs, je weniger wurde es an dem Ort. Als nur noch ein leichter Schein übrig war, sagte die Bäuerin: „Jetzt ist es Zeit nach Hause zu gehen.“

Sie bedankten sich bei dem Licht und dem besonderen Ort und gingen wieder talwärts.  Das Licht in ihnen leuchtete so stark, dass sie nicht einmal die Laterne brauchten.  Die Bauersleute sagten: „Dieses Gefühl muss die Glückseligkeit sein.“

© Alfred Silbergasser 2017

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