DIE HELFER DES CHRISTKINDS

In einem Bergdorf hatte der Winter Einzug gehalten.  Die besinnliche Zeit – der Advent – war wiedergekommen und es hatte den ganzen Tag schon geschneit.  Ein Auto mit Gästen hatte an der Einfahrt zu einem kleinen, einfachen Bauernhof angehalten. Dort, wo die Bauernkinder gerade einen Schneemann bauten und mit dem Schneeball schießen beschäftigt waren.

Der Fahrer kurbelte das Fenster hinunter und rief: „Kinder, wir haben was für euch!“ Die Kinder liefen zum Auto. In dem Moment stieg eine Frau aus und überreichte ihnen ein großes Paket. Sie sagte nur: „Das ist vom Christkind und darf erst am 24. Dezember geöffnet werden.“ Dann stieg sie wieder ein und das Auto fuhr davon.

Die Kinder trugen das Paket schnell ins Haus, wo die Mutter sie gleich fragte: „Wo habt ihr denn dieses große Paket her?“ Und die Kinder redeten aufgeregt durcheinander und erzählten, was passiert war.  Die Mutter sagte zu den Kindern: „Schaut, ob ihr die Gäste noch irgendwo seht.“ Aber die Helfer des Christkinds blieben unauffindbar. Bis zum Heilig Abend waren es noch einige Tage und so verstaute die Mutter in der Zwischenzeit das Weihnachtspaket.

Am Abend des 24. Dezember war es dann so weit. Als nach dem Rosenkranz Beten das Christkindl mit dem goldenen Glöckchen läutete, rannten alle Kinder so schnell sie nur konnten in die Stube zum Christbaum. Der Christbaum war von den brennenden Kerzen hell erleuchtet. Es war für jedes Kind ein Geschenk unter dem Christbaum. Die größeren bekamen eine Schihose und die kleineren eine warme Strumpfhose.

Doch neben dem Baum war noch das große Packerl mit der Schleife und dem glänzenden Weihnachtspapier. Die Kinder und die Erwachsenen wollten wissen, was sich in dem rätselhaften Paket befand. So rissen die Kinder, ohne lange zu zögern, das schöne Weihnachtspapier runter und es kam eine große Schachtel zum Vorschein. Sie war mit einem dicken Klebestreifen zugeklebt, den die Mutter gleich aufschnitt.

Da staunten auch die Eltern und Großeltern nicht wenig, was sie da alles sahen.  Die Mutter war so überrascht, dass sie fast weinte, was sie sonst in Gegenwart der Kinder nie machte.  Es waren Geschenke für die ganze Familie darin.  Für die Kinder waren Unterwäsche, Kekse und Süßigkeiten dabei. Die Mutter fand für sich warme Unterwäsche und ein braunes Spannleintuch. Es war somit das erste Spannleintuch am ganzen Bauernhof. Auch eine Weihnachtskarte mit Glückwünschen vom Christkind war in der Schachtel. Der Großvater erhielt eine nagelneue, schöne, grüne, gestrickte und warme Wolljacke, welche ihn sicherlich viele Jahre wärmen würde.  Die große Box mit verschiedenen, sehr gut duftenden Teesorten und einen Teil der Kekse und Süßigkeiten stellte die Mutter gleich in die Speis (=Vorratsraum). Sie sagte nur: „Der Tee reicht bestimmt den ganzen Winter für uns alle.“ Und eines der Kinder sagte darauf: „Das Christkind weiß aber genau, was wir brauchen.“

Die ganze Familie hatte sich über das große Packerl vom Christkind sehr gefreut. Jeder bedankte sich auf seine Art und Weise beim Christkind. Die Erwachsenen schlossen wahrscheinlich das Christkind in ihre Gebete ein und die Kinder sagten Danke, indem sie beim Naschen und Tee trinken an das Christkind dachten. Noch lange wurde gerätselt, woher die Gäste das Weihnachtspackerl hatten.  Für die Kinder war es klar: vom Christkind natürlich, von wem denn sonst.

Möge das Christkind jedem das bringen, was er wirklich braucht.

© Alfred Silbergasser 2016

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